Lernwerkstatt

Im Zentrum des PLASTINARIUM steht die Lernwerkstatt.

Das PLASTINARIUM als öffentlicher Bereich der Gubener Plastinate GmbH verwirklicht Gunther von Hagens´ Demokratisierung der Anatomie, indem es auch medizinischen Laien das Lernen an echten menschlichen Präparaten ermöglicht. Dafür sind die in Guben gefertigten Ganzkörper- und Scheibenplastinate besonders geeignet, von deren Einzigartigkeit sich in den KÖRPERWELTEN / BODY WORLDS Ausstellungen bereits mehr als 38 Millionen Menschen in über 23 Ländern und mehr als 89 Städten überzeugen konnten.

In der Lernwerkstatt können Schüler, Azubis und Studenten ihr anatomisches Wissen an bereitgestellten Plastinaten, Modellen, Tafeln, Computern und Fachbüchern im Selbststudium vertiefen und sich auf Prüfungen vorbereiten. Doch auch Ärzte, Professoren, Heilberufler und medizinische Unternehmen finden anhand plastinierter Unikate die einmalige Gelegenheit zur praxisnahen Aus- und Weiterbildung sowie Forschungsmöglichkeiten auf hohem Niveau vor.
Hier entstehen hochkomplexe Unterrichtspräparate z.B. Skelette, Körperscheiben, Gefäßgestalten und ästhetische Großplastinate - Mensch und Tier für die Ewigkeit konserviert. Das PLASTINARIUM leistet so einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Ausbildung, Aufklärung und Gesundheitsförderung.
Im Unterschied zu unseren KÖRPERWELTEN-Ausstellungen bekommt man im PLASTINARIUM auch einen Einblick in die praktische Herstellung der Plastinate. In einem separaten Bereich können Sie unseren Mitarbeitern bei der anatomischen Präparation über die Schultern schauen. Im Werkstattbereich ist die Abteilung der Positionierung zu sehen. Hier wird der Körper in die gewünschte Pose gebracht, jede einzelne anatomische Struktur korrekt positioniert und mit Hilfe von Drähten, Nadeln, Klammern und Schaumstoffblöcken fixiert, bevor das Präparat in einem letzten Schritt gehärtet wird.

Hier erfahren Sie mehr über die einzelnen Stationen der Lernwerkstatt und die Produktionsabteilungen Anatomische Präparation und Positionierung:

Bewegungsapparat - Nervensystem - Herz/Kreislaufsystem - Atmungssystem - Verdauungssystem - Urogenitalsystem - Vorgeburtliche Entwicklung - Anatomische Präparation - Positionierung


 

    Bewegungsapparat

    Die erste Station in der Lernwerkstatt widmet sich dem Bewegungsapparat.

    Der menschliche Körper ist eine Einheit aus verschiedenen Organsystemen, die in geordneter Weise zusammenwirken, um die Lebensfunktionen zu erfüllen.
    Zu den wesentlichen Funktionen gehören die Beweglichkeit des Körpers, die Fortbewegung, sowie die Fähigkeit, den Körper aufrecht zu halten. Ermöglicht wird all dies durch den Bewegungsapparat, der aus Knochen, Muskeln und Gelenken besteht.

    Die Gesamtheit aller Knochen bildet das Skelett. Es besteht aus über 200 Knochen und 100 beweglichen Gelenken. Das Skelett verleiht dem Körper seine Statur, seinen Halt und seine Beweglichkeit.

    Mit dem Skelett verbunden sind die Skelettmuskeln. Zusammen bilden sie ein mechanisches Hebelsystem, das die Muskeltätigkeit in Bewegung umwandelt.

    Muskeln sind biologische Zugbänder. Sie üben ihre Funktion aus, indem sie ihre Fasern verkürzen. Es gibt mehr als 620 willkürliche Muskeln. Jeder hat eine bestimmte Funktion, eine eigene Nervenversorgung und einen spezifischen Ursprungs- und Ansatzpunkt. Körperbewegungen werden in aller Regel nicht durch einen Muskel allein, sondern durch ein kompliziertes Zusammenspiel funktioneller Muskelgruppen ermöglicht.

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    Nervensystem

    An der zweiten Station der Lernwerkstatt erfahren Sie wichtige Fakten zum Nervensystem.

    Vom Kopf bis zu den Zehen spannt sich ein außerordentlich feines Netzwerk von Nervenfasern aus, die alle Körperfunktionen überwachen und regulieren. Sie treten direkt aus dem Gehirn oder aus dem Rückenmark aus und verästeln sich zur Peripherie hin in immer feinere Nervenleitungen.

    Das Nervensystem steuert Hunderte von Aktivitäten gleichzeitig. Es ist die Quelle des Bewusstseins, der Intelligenz und der Kreativität und ermöglicht uns, zu kommunizieren und Gefühle wahrzunehmen. Viele Funktionen laufen automatisch ab, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen, wie zum Beispiel die Atmung oder die Verdauung.

    Das Nervensystem lässt sich in zwei Teile gliedern:

    • Das zentrale Nervensystem - Es besteht aus Gehirn und Rückenmark und steuert unsere körperlichen Aktivitäten, indem es Nervensignale verarbeitet und koordiniert.
    • Das periphere Nervensystem - Dies sind alle Nerven, die vom zentralen Nervensystem ausgehen und den gesamten Körper durchziehen. Sie übertragen die Signale zwischen dem zentralen Nervensystem und dem übrigen Körper.

    Das Gehirn ist das übergeordnete Kontrollzentrum unseres Körpers. Es verarbeitet Sinnesinformationen, koordiniert das Denken und die meisten Bewegungen und erlaubt uns zu fühlen, zu erinnern und zu kommunizieren.

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    Herz-Kreislauf-System

    Die dritte Station gibt Einblicke in unser wichtigstes inneres Transportsystem, dem Herz-Kreislauf-System.

    Es verteilt Nährstoffe, Sauerstoff und Hormone an die verschiedenen Körperregionen und sammelt gleichzeitig die Abbauprodukte des Stoffwechsels ein, die ausgeschieden werden müssen. Das Herz ist der Motor des Systems und das dichte Netz der Blutgefäße bildet die Transportwege.

    Arterien sind gewissermaßen wie große Schnellstraßen, dies das Blut im Körper verteilen. Sie verzweigen und verjüngen sich auf ihrem Weg zu den Organen und Geweben mehr und mehr, bis sie die Stärke von hauchdünnen Haargefäßen erreicht haben, die Kapillaren. Durch die Kapillarwände hindurch erfolgt der Austausch von Nährstoffen, Sauerstoff und anderen Stoffen zwischen Blut und Gewebe.

    Das dichte Netz der Arterien, Venen und Kapillaren eines durchschnittlichen Erwachsenen ist über 96.500 Kilometer lang. Hintereinandergeknüpft könnte man es mehr als zweimal um die Erde wickeln.

    Das Herz ist der Motor des Herz-Kreislauf-Systems. Es ist ein muskuläres Hohlorgan, das den Blutstrom unentwegt in Gang hält. Seine Muskelfasern verlaufen spiralförmig. Das Herz ist etwa so groß wie eine Faust und wiegt rund 300 Gramm. Im Ruhezustand schlägt es 70 Mal pro Minute und pumpt bei jedem Schlag rund 75 Milliliter Blut. Das ergibt ungefähr 200 Millionen Liter gepumptes Blut in einem Menschenleben von durchschnittlich 75 Jahren.

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    Atmungssystem

    Die vierte Station der Lernwerkstatt informiert über das Atmungssystem.

    Unser Leben erfordert die ständige Versorgung mit Sauerstoff, den wir der Atemluft entnehmen. Ohne Sauerstoff könnten die meisten Körperzellen nur wenige Minuten überleben. Er ist unerlässlich für den Zellstoffwechsel, also den Prozess, der Nährstoffe in Energie umwandelt, um die Körperfunktionen aufrecht zu erhalten.

    Die Lunge bildet eine große Oberfläche an der Sauerstoff in das Blut übertritt. Pro Minute gelangen etwa 5 bis 6 Liter Luft in die Lunge. Beim Einatmen weiten Muskeln unseren Brustkorb. Der wichtigste Atemmuskel ist das Zwerchfell, eine dünne Muskelplatte, die sich kuppelförmig zwischen Brust- und Bauchraum ausspannt.

    Obwohl wir etwa 20.000-mal am Tag ein- und ausatmen, nehmen wir unsere Atmung kaum wahr. Sie wird vom Atemzentrum im Gehirn gesteuert, das Atemtiefe und -frequenz automatisch den Erfordernissen anpasst.
    Beim Einatmen nehmen wir auch feine Staubteilchen mit der Atemluft auf, die sich im Lungengewebe anreichern können. Auch Teer- und Rußpartikel aus Zigarettenrauch lagern sich in der Lunge ab. Diese Ablagerungen färben die Lunge schwarz. Schon 20 Zigaretten täglich belasten die Lunge mit 150 Milliliter Teer pro Jahr; das ist etwa eine Kaffeetasse voll.

    Wenn es ein Raucher geschafft hat, mit dem Rauchen aufzuhören, wird der Teer allmählich abgebaut und die Lunge nimmt wieder ihre natürliche Farbe an. Auch die mit dem Rauchen einhergehenden Gesundheitsrisiken nehmen langsam wieder ab, selbst nach langjährigem Rauchen.

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    Verdauungssystem

    An der fünften Station erfahren Sie alles zum Verdauungssystem.

    Alle Prozesse in unserem Körper benötigen Energie, die wir aus der Nahrung gewinnen. Damit unser Körper sie in Energie umwandeln kann, muss die Nahrung zunächst in ihre Bestandteile zerlegt werden. Die Organe des Verdauungstraktes spalten die Nahrung sowohl mechanisch als auch chemisch auf. Die meisten Nährstoffmoleküle gelangen schließlich über die Schleimhäute des Dünndarms ins Blut und von dort in die Leber, wo sie weiterverarbeitet werden.

    Vereinfacht gesagt ist der Verdauungstrakt ein Schlauchsystem von etwa sieben Metern Länge. Zuerst wird die Nahrung im Mund grob zerkleinert. Danach gelangt sie über die Speiseröhre in den Magen und wird dort angedaut. Von dort wird der Speisebrei nach und nach in den Zwölffingerdarm abgegeben und mit Verdauungssäften aus Leber und Bauchspeicheldrüse vermischt. Der Dünndarm ist der Hauptort der Verdauung. Hier treten die meisten Nährstoffmoleküle in die Blutgefäße der Darmwand über. Unverdauliche Reste gelangen in den Dickdarm, wo ihnen Wasser entzogen wird. Anschließend werden sie durch den Enddarm ausgeschieden. Der gesamte Verdauungsprozess dauert etwa einen Tag.

    Übermäßiges, ungesundes Essen, unsere Gene sowie mangelnde körperliche Bewegung begünstigen die Gewichtszunahme. Zur Fettleibigkeit kommt es, wenn wir über längere Zeit mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen.
    Übergewicht stellt einen Schlüsselfaktor für die Entwicklung vieler chronischer Erkrankungen und für den damit verbundenen frühen Tod dar. Dazu gehören vor allem Herz- und Atemwegskrankheiten, Bluthochdruck, Diabetis mellitus und einige Krebsarten. Auch das Herz- und Schlaganfallrisiko ist erhöht.

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    Urogenitalsystem

    An der sechsten Station können sie sich über das Urogenitalsystem informieren.

    Wie jeder Organismus produziert auch der komplexe menschliche Körper Abfallstoffe. Ein Teil davon wird mit dem Urin ausgeschieden. Dazu filtern die Nieren beständig gelöste Abfallprodukte und Wasser aus dem Blut. Gleichzeitig halten sie unser inneres Milieu, also das Gleichgewicht von Flüssigkeiten, Mineralien und Spurenelementen im Körper aufrecht.

    Jeder Mensch besitzt zwei Nieren. Sie liegen beidseits der Wirbelsäule im sogenannten Nierenlager, eingebettet in eine dicke Fettkapsel und nach außen hin geschützt durch die untersten Rippen.

    Die Größe der Nieren ist abhängig von der Körpergröße. Im Durchschnitt ist jede Niere 12 cm lang und jeweils etwa 150 g schwer.

    Etwa 15 Mal pro Stunde durchfließt das gesamte Blutvolumen des Körpers die Nieren, um Giftstoffe und harnpflichtige Substanzen aus dem Blut zu filtern. Würden sie im Körper verbleiben, käme es zu Vergiftungserscheinungen.

    Nieren spielen auch eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks. Fällt der Blutdruck in den Nierenarterien, schüttet die Niere das Hormon Renin aus, das einen komplexen Mechanismus zur Erhöhung des Blutdrucks anstößt.
    Das Blutvolumen ist eine weitere Stellschraube, mit der die Nieren den Blutdruck beeinflussen. Scheiden die Nieren wenig Flüssigkeit aus, steigt das Blutvolumen und damit der Blutdruck.

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    Die Vorgeburtliche Entwicklung

    Die siebente und letzte Station informiert zur vorgeburtlichen Entwicklung.

    Die erste Periode menschlichen Lebens verläuft unsichtbar im Mutterleib. Sie beginnt mit einer einzigen Zelle, der Zygote, wenn der väterliche Samen das mütterliche Ei befruchtet.

    Die Zygote enthält das menschliche Genom, den individuellen Bauplan eine ganzen Menschen. Er besteht aus mütterlichen und väterlichen Genpaaren, die auf Chromosomen angeordnet sind. Sie bestimmen individuelle Eigenschaften des entstehenden Individuums wie beispielsweise Haar- und Augenfarbe, Körpergröße, einige Verhaltensweisen und viele Erkrankungen.

    Die befruchtete Eizelle teilt sich auf ihrem Weg durch den Eileiter mehrfach, bevor sie sich in die Schleimhaut der Gebärmutterhöhle einnistet.
    Schon nach vier Wochen hat die Leibesfrucht ein Herz, eine Augenanlage und vier Knospen, aus denen die Gliedmaßen hervorwachsen. Nach acht Wochen ist die Organdifferenzierung weitgehend abgeschlossen. So lange wird die Leibesfrucht als Embryo bezeichnet.

    Ab der neunten Schwangerschaftswoche wird die Leibesfrucht Fötus oder Fetus genannt. Diese Entwicklungsphase ist hauptsächlich durch Wachstumsvorgänge und Reifung der Organe geprägt.

    Die heranwachsende Leibesfrucht ist in der Gebärmutter von Eihäuten umgeben und schwimmt in Fruchtwasser. Sie wird über die Nabelschnur und die Plazenta aus dem mütterlichen Blutkreislauf ernährt.
    Das Herz des Fötus pumpt das Blut durch die Nabelschnurarterie in das Kapillarbett der Plazenta. Dort werden die kindlichen Gefäße von außen vom mütterlichen Blut umspült. Dabei treten Nährstoffe und Sauerstoff in das kindliche Blut über, ohne dass es zu einer Durchmischung von kindlichem und mütterlichem Blut kommt. Danach fließt das angereicherte Blut über die Nabelschnurvene wieder in den kindlichen Organismus zurück.

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    Anatomische Präparation

    Der erste Schritt der Plastination ist die Formalinfixierung. Mit der Injektion von Formalin über die Arterien wird der Verwesungsprozess gestoppt. Es tötet sämtliche Bakterien ab und verhindert durch chemische Prozesse den Zerfall des Gewebes.

    Daran schließt sich die anatomische Präparation an.
    In einem frei zugänglichen Bereich in einem Nebenraum der Lernwerkstatt können Besucher unseren Mitarbeitern bei der anatomischen Präparation über die Schulter schauen. Auch am Samstag und Sonntag ist die Präparationsabteilung mindestens mit einem Mitarbeiter besetzt.

    Die Organe, Muskeln und Sehnen, sowie die Nerven und Gefäße des Körpers werden von einer dünnen Schicht faserigem Bindegewebe umgeben. Das Bindegewebe stabilisiert und ermöglicht die Verschieblichkeit der Organe im Körper.

    Präparieren heißt, dieses bedeckende Bindegewebe mit Pinzette, Skalpell und Schere an den richtigen Stellen schonend wegzunehmen und die einzelnen anatomischen Strukturen freizulegen.

    Die Kunst der Präparation besteht darin, das feste Bindegewebe von darunter liegenden weichen Strukturen, wie Organen und Venen zu entfernen. Vergleichbar ist dies mit der vollständigen Entfernung der weißen Fasern unter der Haut der Orange, ohne deren Fruchtfleisch zu verletzen.

    Deshalb braucht ein Präparator Geschicklichkeit und Geduld. Bis zu 750 Arbeitsstunden nimmt die Präparation eines Körpers in Anspruch.


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    Positionierung

    Nach der anatomischen Präparation folgt die Entwässerung und Entfettung, wobei Körperwasser und lösliche Fette durch Einlegen in ein Lösungsmittelbad (Azeton) herausgelöst werden. Dann folgt der zentrale Schritt der Plastination, die Forcierte Imprägnierung. Hier wird das Azeton gegen Reaktionskunststoff, z. B. Silikonkautschuk, ausgetauscht.

    Die mit flüssigem Silikonkautschuk durchtränkten Plastinate erhalten in der Postionierungsabteilung ihre endgültige Form. Der Kunststoff in den Zellen ist noch flüssig. Deshalb sind Weichteile des Plastinats, insbesondere die Muskeln, noch gut formbar.

    Jetzt werden alle anatomischen Strukturen exakt positioniert. Dies geschieht mit Halteschnüren, kleinen Schaumstoffstückchen und Nadeln, mit denen alle Strukturen in eine anatomisch korrekte Position gebracht werden.

    Ganze Körper werden in lebendiger Haltung positioniert. Dadurch können die Muskeln in Funktionsstellung betrachtet werden.

    Natürliche Präparate sind für die medizinische Aufklärung wie auch für den Laien besonders wertvoll, denn der komplizierte Aufbau des Bewegungsapparates und der Organe sowie deren Lagebeziehungen untereinander lassen sich in ihrer dreidimensionalen Komplexität nicht allein aus Büchern und Bildern erfassen.

    Die Positionierungsabteilung befindet sich direkt in der Lernwerkstatt.

    In einem letzten Schritt wird das fertig positionierte Präparat gehärtet, je nach verwendetem Kunststoff mit Gas, Licht oder Wärme.

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